Premiere am 29. Oktober 2011, 20 Uhr, im Theater Rampe, Stuttgart. Vorstellungen: 01. November bis 05. November jeweils um 20 Uhr
Bienen
Alexej Schipenko
Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.
Der 21. Dezember 2012. Weltuntergang, Finsternis, vielleicht. Drei Menschen und eine Ziege fahren in einem Fahrstuhl. Immer nach oben. Weil das der Fahrstuhl so will. Manchmal hält der Fahrstuhl auch an. Wir sehen einen Schamanen in Mexico, die Besatzung des U-Boots Kursk, Soldaten in Tschtschenien, den Weihnachtsmann beim Eisfischen, Roland Emmerich. 24 Bilder pro Sekunde. Alle Katastrophen liegen schon hinter uns. In der Vergangenheit. Wir befinden uns nach der Zeit. In Zeitschleifen. Oder in einem Film.
Mit der Uraufführung von Bienen präsentiert die freie Theatergruppe O-Team nach Der Krieger erwacht (2010) seine zweite Arbeit unter der Regie von Samuel Hof am Stuttgarter Theater Rampe.
In ihrer neuen Produktion befasst sich O-Team unterstützt von Alexej Schipenko mit den Vorhersagen der Mayas, mit Zukunftsängsten und dem Glauben an einen nahen Weltuntergang. Ein solcher Glaube bedeutet die Annahme eines vorgegebenen Schicksals, er steht für Kontrollverlust und das Fehlen eigener Gestaltungsmöglichkeiten. Die Prophezeiung wird so zur selbsterfüllenden Prophezeiung: Der Weltuntergang stellt sich als mentales Problem dar, als das Fehlen von Visionen und positiven Utopien. Mit der Relativitätstheorie zeigte Einstein, dass Bewegung nicht als absolut angenommen werden kann, sondern stets von der Perspektive des Beobachters abhängt. Der Physiker Bin-Guang Ma überträgt dieses Prinzip auf den Begriff Realität. Er legt nahe, dass die Echtheit unterschiedlicher Realitäten (auch vorgestellte oder simulierte) ebenfalls nicht absolut beurteilt werden können. Ein objektiver Standpunkt ist nicht möglich und wir müssen deshalb all diese Welten als gleich real annehmen. Das Theater ist ein Ort, an dem Menschen mit ihren Gedanken, Worten und Handlungen Realität entstehen lassen können. Gelingt dies, so stellt es den Gegenbeweis zur Ohnmacht des 2012-Menschen dar. Theater wird dabei zum magischen Ritual. Wenn wir also den Weltuntergang auf den Brettern, die die Welt bedeuten, verhindern können, haben wir schon ein gutes Stück im Kampf gegen die drohende Apokalypse gewonnen.
Bienen entsteht in einem offenen Prozess. Uraufführungstext, Bühnenbild, Musik und Video werden zwischen den verschiedenen beteiligten Künstlern während der Proben weiterentwickelt. Es handelt sich dabei um den ersten Teil eines längerfristigen Projekts. Es besteht in der der Entwicklung einer zweier thematisch miteinander verbundenen Stücke - Bienen und Bienen 2 (AT) - , die in einer Kooperation zwischen O-Team, dem Theater Rampe in Stuttgart und dem Theaterhaus Jena produziert werden. Bienen 2 (AT) wird im Frühjahr 2012 in Jena Premiere haben und anschließend auch in Stuttgart am Theater Rampe im Zusammenhang mit Bienen zu sehen sein.
Mit: Folkert Dücker, Monika Hölzl, Andriy Kritenko und der Stimme von Frank Deesz
Regie: Samuel Hof / Musik: Markus Birkle / Bühne & Kostüme: Nina Malotta /
Übersetzung:
Anna Langhoff / Dramaturgie: André Becker & Jonas Zipf / Sound & Video:
Pedro Pinto / Produktion: Markus Niessner / Assistenz: Clara Gohmert
